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Wie gut bildet unsere Gesellschaft körperliche Vielfalt tatsächlich ab? Eine aktuelle Marktanalyse von Ulla Popken geht dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven nach: Untersucht wurden 36 Anbieter aus klassischen Modemarken, Marktplätzen und Plus-Size-Spezialisten. Im Fokus standen dabei nicht nur Größenangebot, Verfügbarkeit und Preisstruktur, sondern auch bestehende Normen im Alltag sowie der Wandel in der Sprache rund um Körper und Konfektionsgrößen. Die Ergebnisse zeigen, an welchen Stellen Vielfalt bereits angekommen ist – und wo Angebote, Standards und Begriffe noch nicht mit der gesellschaftlichen Realität Schritt halten. Ein datenbasierter Blick auf die Frage, wie selbstverständlich Vielfalt heute wirklich ist.
Diese Fragen werden beantwortet:
Der menschliche Körper ist sehr vielfältig in seinem Erscheinungsbild. Sortiment, Vertrieb und Preisstruktur berücksichtigen das nur teilweise. Entlang der Konfektionsgrößen zeigt sich, wo Märkte, Maße und Bilder noch aufholen müssen.
Körper-Realität & Bedarf
Der Ø-BMI ist über die Jahrzehnte leicht gestiegen, dadurch ist der Bedarf an größeren Größen gewachsen.
Körperdaten
Mythos vs. Realität — heute
Größenraum & Angebot
36 Marken, drei Größenwelten. Klassische Mode reicht im Schnitt bis ~48, Marktplätze bis ~58, Spezialisten bis ~60.
Reichweite je Markenwelt · Skala 32–68
SugarShape (BH-System) ausgenommen · n = 35
Große Größen nach Preissegment
Spezialisten und Marktplätze: 100 % · Basis: 36 Marken · „große Größen“ = Plus-Size verfügbar.
Die Auswahl-Lücke
Beispiel Damen-Kleider. Über Gr. 44 hinaus fällt die Auswahl in wenigen Stufen um mehr als 95 %.
Angebotene Kleider je Größenfilter
Quelle: Zalando, Damen-Kleider · indikativer Snapshot
Abdeckung nach Größe · 35 Marken
Marktplatz-Vergleich · Gr. 44
indikativ
Die Kanal-Lücke
Selbst wenn eine Größe „angeboten" wird, bleibt oberhalb 44 oft nur der Online-Kauf. Verteilung der 15 Plus-Anbieter im Markenpool (ohne reine Marktplätze).
Erhältlichkeit
Leitbefunde
Die Preis-Lücke
Preisniveau nach Linientyp
Preisniveau qualitativ eingeordnet (niedrig/mittel/hoch), keine erhobenen Durchschnittspreise.
Gleicher Artikel, gleicher Preis
Kein direkter Größenaufschlag. Teurer wird es strukturell: das günstige Segment endet oft bei 42–44, große Größen sitzen in teureren Linien.
Die Infrastruktur-Lücke
Standards bilden körperliche Vielfalt noch nicht gut genug ab, vom Flugzeugsitz bis zur Referenznorm DIN 33402.
Problem-Orte, Maße & Anpassung
Economy-Sitzbreite · ~42–49 cm
Kein verbindlicher Standard – ab ~50 cm Hüftbreite wird es eng.
Der Begriffswandel
Von technischen über beschönigende bis zu empowernden Begriffen.
Begriffe im Wandel
International
Deutsch
Euphemismus-Tretmühle: stout → full-figured → plus size → curvy. Praxis: Plus Size gängig, Curvy positiv, Übergröße meiden.
Der rote Faden & die Chance
Vom Bedarf an Kleidergrößen über Alltagssituationen bis hin zur Sprache zeigt sich dasselbe Bild. Der Fokus sollte darauf liegen, dass sich jeder in seinem Körper und seinem Alltag wohlfühlt.
Jede Frau ist einzigartig – in Körperform, Proportionen und Bedürfnissen. Diese Vielfalt ist längst Realität im Alltag, aber im Modemarkt spiegelt sich das noch nicht überall wider, insbesondere wenn es um Kleidergrößen für Damen geht.
Im Bereich der großen Größen zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen dem, was Frauen brauchen, und dem, was viele Sortimente tatsächlich anbieten. Mit steigender Konfektionsgröße nimmt die Auswahl häufig ab.
Es stellt sich die grundlegende Frage: Welche Körper gelten im Markt eigentlich als „Standard“?
Lange Zeit galt Größe 38 als eine Art Norm im Modeverständnis. Heute sieht es allerdings anders aus: Viele Frauen in Deutschland bewegen sich im Bereich der Konfektionsgröße 42 bis 44. Trotzdem orientieren sich zahlreiche Sortimente weiterhin stark an kleineren Größen.
Besonders sichtbar wird diese Lücke ab Größe 48. Hier reduziert sich die Auswahl in vielen Kollektionen spürbar: weniger Modelle, weniger Varianten und oft auch weniger stationäre Verfügbarkeit.
Mode in großen Größen wird häufig noch als separate Kategorie betrachtet. Begriffe wie Plus Size oder Curvy unterstreichen diese Abgrenzung.
Vielfalt sollte kein Sonderfall sein, sondern selbstverständlich.
Eine Konfektionsgröße sagt nur begrenzt etwas über einen Körper aus. Proportionen, Körperbau und Passformen unterscheiden sich stark von Frau zu Frau. Außerdem sind Größen nicht genormt, da sie je nach Marke unterschiedlich ausfallen.
Im Laufe der Zeit hat sich der Körper verändert. Durch gesellschaftliche Realitäten und andere Lebensgewohnheiten müssen auch neue Standards geschaffen werden, damit sich jede Frau rundum wohlfühlt.
Große Größen sind im stationären Handel oft weniger präsent als im Onlinebereich. Das führt dazu, dass die Auswahl vor Ort eingeschränkt ist und Anproben oder Vergleiche schwieriger werden.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist zudem, dass größere Größen automatisch teurer sein müssen. Manche Shops wenden das auch heute noch an, aber es gibt genügend Alternativen, bei denen alle Größen ein Preis haben.
In der öffentlichen Infrastruktur gibt es viele genormte Sitzbreiten, etwa in Flugzeugen, Zügen, im Kino oder in Stadien. Diese sind größtenteils nicht an die veränderten Körperformen angepasst, sondern seit vielen Jahren gleich.
Dafür ist im Sprachgebrauch ein deutlicher Wandel hin zu mehr neutralen sowie positiven Begriffen wahrnehmbar.
Kleidergrößen sind Orientierung, aber keine Grenze. Sie sollen helfen, nicht einschränken.
Ulla Popken steht für Mode, die Vielfalt ernst nimmt – und für ein Sortiment, das sich an realen Körpern orientiert, nicht an idealisierten Normen.