Ulla Popken · Marktbetrachtung Damenmode

Kleidergrößen bei Damen:
Vielfalt ist längst nicht Alltag

Wie gut bildet unsere Gesellschaft körperliche Vielfalt tatsächlich ab? Eine aktuelle Marktanalyse von Ulla Popken geht dieser Frage aus verschiedenen Perspektiven nach: Untersucht wurden 36 Anbieter aus klassischen Modemarken, Marktplätzen und Plus-Size-Spezialisten. Im Fokus standen dabei nicht nur Größenangebot, Verfügbarkeit und Preisstruktur, sondern auch bestehende Normen im Alltag sowie der Wandel in der Sprache rund um Körper und Konfektionsgrößen. Die Ergebnisse zeigen, an welchen Stellen Vielfalt bereits angekommen ist – und wo Angebote, Standards und Begriffe noch nicht mit der gesellschaftlichen Realität Schritt halten. Ein datenbasierter Blick auf die Frage, wie selbstverständlich Vielfalt heute wirklich ist.

Die Infografik im Überblick

Diese Fragen werden beantwortet:

  • Wie verändert sich die Auswahl über verschiedene Konfektionsgrößen hinweg?
  • Wo entstehen Lücken im Sortiment?
  • Und wie unterscheiden sich Online- und stationäre Angebote?
  • Wie sind Sitze im Kino, in Zügen etc. genormt?
  • Inwieweit gibt es einen Begriffswandel?
Die Infografik im Detail
36 Marken · drei Größenwelten · eine Erkenntnis

Das Leben ist vielfältig.
Die Angebote sind es noch nicht.

Der menschliche Körper ist sehr vielfältig in seinem Erscheinungsbild. Sortiment, Vertrieb und Preisstruktur berücksichtigen das nur teilweise. Entlang der Konfektionsgrößen zeigt sich, wo Märkte, Maße und Bilder noch aufholen müssen.

Der Größenlauf — von 36 bis 68
Ø 42–44
364044485256606468
Hauptbereich der Nachfrage
Ab 48: Die Auswahl bricht ein
weniger Modelle, weniger Verfügbarkeit
41 %
der klassischen Marken (9 von 22) führen große Größen
42–44
reale Ø-Konfektionsgröße (Mythos: 38)
ab 48
Die Auswahl bricht ein
67 %
der Plus-Anbieter nur/überwiegend online
01

Körper-Realität & Bedarf

Die Durchschnittsfrau trägt eher 42–44 als 38

Der Ø-BMI ist über die Jahrzehnte leicht gestiegen, dadurch ist der Bedarf an größeren Größen gewachsen.

Körperdaten

  • Ø BH-Größe 80 C · ≈ 1,65 m / ≈ 68 kg
  • Ø BMI 26,4 → 26,5 über die Jahrzehnte
  • Höherer BMI-Bereich ≥ 30: 19,8 % → 23,9 % über die Jahrzehnte
  • Keine feste Umrechnung BMI → Größe; variiert je Marke.

Mythos vs. Realität — heute

angenommen
38
„Normgröße" ≈ M
tatsächlich
42–44
reale Ø-Größe
02

Größenraum & Angebot

„Größe anbieten" heißt überall etwas anderes

36 Marken, drei Größenwelten. Klassische Mode reicht im Schnitt bis ~48, Marktplätze bis ~58, Spezialisten bis ~60.

Reichweite je Markenwelt · Skala 32–68

Klassische Mode · 22 Marken · Ø ~9 Größenstufenbis ~48
Marktplätze · 6 Marken · Ø ~14 Größenstufenbis ~58
Plus-Spezialisten · 7 Marken · Ø ~10 Größenstufenbis ~60
32445668

SugarShape (BH-System) ausgenommen · n = 35

Große Größen nach Preissegment

33 %
Günstig
60 %
Mitte
17 %
Premium

Spezialisten und Marktplätze: 100 % · Basis: 36 Marken · „große Größen“ = Plus-Size verfügbar.

03

Die Auswahl-Lücke

Je größer die Größe, desto weniger Kleider

Beispiel Damen-Kleider. Über Gr. 44 hinaus fällt die Auswahl in wenigen Stufen um mehr als 95 %.

Angebotene Kleider je Größenfilter

8.935
Gr. 38100 %
3.986
Gr. 4445 %
955
Gr. 4811 %
669
Gr. 527 %
196
Gr. 562 %

Quelle: Zalando, Damen-Kleider · indikativer Snapshot

Abdeckung nach Größe · 35 Marken

bis 44 / 46100 / 71 %
bis 50 / 5660 / 43 %
bis 60 / 6417 / 6 %

Marktplatz-Vergleich · Gr. 44

About You
13.226
Zalando
3.986

indikativ

04

Die Kanal-Lücke

Große Größen verschwinden aus der Fläche

Selbst wenn eine Größe „angeboten" wird, bleibt oberhalb 44 oft nur der Online-Kauf. Verteilung der 15 Plus-Anbieter im Markenpool (ohne reine Marktplätze).

Erhältlichkeit

67 %
nur online
  • Nur / überwiegend online 67 %
  • Teilweise stationär 13 %
  • Volle Fläche 20 %

Leitbefunde

  • H&M+ seit Sept. 2020 nur noch online.
  • C&A XL-Bereich ab 2023 aus den Filialen.
  • Größe 48 = umsatzstärkste Plus-Size im Fachhandel (2020).
  • Stationär bis 42–44, online bis 54–68. Volle Fläche v. a. Ulla Popken, Marina Rinaldi, Elena Mirò.
05

Die Preis-Lücke

Nicht der Artikel wird teurer – das Segment

Preisniveau nach Linientyp

  • Ultra-/Fast-Fashionendet oft bei 42–44€€
  • Plus-SpezialistenKernsortiment bis 58–68€€
  • Mainstream-Curvebis 54, oft nur online€€
  • Premium-Plus42–60€€€

Preisniveau qualitativ eingeordnet (niedrig/mittel/hoch), keine erhobenen Durchschnittspreise.

Gleicher Artikel, gleicher Preis

Gr. 46 = Gr. 36

Kein direkter Größenaufschlag. Teurer wird es strukturell: das günstige Segment endet oft bei 42–44, große Größen sitzen in teureren Linien.

06

Die Infrastruktur-Lücke

Auch die genormte Welt sollte mitwachsen

Standards bilden körperliche Vielfalt noch nicht gut genug ab, vom Flugzeugsitz bis zur Referenznorm DIN 33402.

Problem-Orte, Maße & Anpassung

  • Flugzeug Economy43–48 cm↓ wird enger
  • Bahn ICE 2. Kl.~46–50 cm↓ wird enger
  • Kino / Theater≥ 0,50 m– unverändert
  • StadionRaster 50 cm– unverändert
  • CT / MRTbis ~160 kg◑ nur teils
  • DIN 33402-2Neufassung 2020 ohne NeuvermessungDaten 1999–2002

Economy-Sitzbreite · ~42–49 cm

American Airl.~41
Ryanair · TUI~43
Lufthansa43–46
easyJet45–46
Japan Airl.~48

Kein verbindlicher Standard – ab ~50 cm Hüftbreite wird es eng.

07

Der Begriffswandel

Die Sprache verschiebt sich mit

Von technischen über beschönigende bis zu empowernden Begriffen.

Begriffe im Wandel

International

stout wear plus size chubby · outsize Fat Acceptance Body Positivity Body Neutrality

Deutsch

Übergröße mollig · füllig große Größen Plus SizeCurvy
positiv / empowernd neutral / technisch abwertend / aufgeladen

Euphemismus-Tretmühle: stout → full-figured → plus size → curvy. Praxis: Plus Size gängig, Curvy positiv, Übergröße meiden.

08

Der rote Faden & die Chance

Vielfalt ist da, sichtbar gemacht wird sie noch zu selten

Vom Bedarf an Kleidergrößen über Alltagssituationen bis hin zur Sprache zeigt sich dasselbe Bild. Der Fokus sollte darauf liegen, dass sich jeder in seinem Körper und seinem Alltag wohlfühlt.

  1. 1Der Bedarf wächstreale Ø-Größe 42–44
  2. 2Das Angebot hinkt hinterherbricht ab 44–46 ab
  3. 3Große Größen heißen „online“oberhalb 44 verschwindet die Fläche
  4. 4Größenneutral bepreistteurer nur über den Linien-Mix
  5. 5Standards & Spracheziehen erst langsam nach
Anpassung statt bloße Akzeptanz.
Der Hebel: Tiefe 44–52 und stationäre Sichtbarkeit.
So sieht es aus, wenn alles zusammenpasst
Größenlauf 42–68stationär + online„Alle Größen ein Preis“
Marktanalyse „Das Leben ist vielfältig. Die Angebote sind es noch nicht."
36 Marken · Datenstand 08/2026

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Wie vielfältig Damenmode heute wirklich ist

Jede Frau ist einzigartig – in Körperform, Proportionen und Bedürfnissen. Diese Vielfalt ist längst Realität im Alltag, aber im Modemarkt spiegelt sich das noch nicht überall wider, insbesondere wenn es um Kleidergrößen für Damen geht.

Im Bereich der großen Größen zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen dem, was Frauen brauchen, und dem, was viele Sortimente tatsächlich anbieten. Mit steigender Konfektionsgröße nimmt die Auswahl häufig ab.

Es stellt sich die grundlegende Frage: Welche Körper gelten im Markt eigentlich als „Standard“?

Vielfalt bedeutet echte Auswahl

  • Breites Größenangebot
  • Verschiedene Schnitte
  • Auswahl an Farben und Mustern
  • Kleidung für unterschiedliche Stile und Anlässe

Die durchschnittliche Konfektionsgröße ist nicht 38

Lange Zeit galt Größe 38 als eine Art Norm im Modeverständnis. Heute sieht es allerdings anders aus: Viele Frauen in Deutschland bewegen sich im Bereich der Konfektionsgröße 42 bis 44. Trotzdem orientieren sich zahlreiche Sortimente weiterhin stark an kleineren Größen.

Ab Größe 48 wird die Auswahl deutlich kleiner

Besonders sichtbar wird diese Lücke ab Größe 48. Hier reduziert sich die Auswahl in vielen Kollektionen spürbar: weniger Modelle, weniger Varianten und oft auch weniger stationäre Verfügbarkeit.

Mode in großen Größen wird häufig noch als separate Kategorie betrachtet. Begriffe wie Plus Size oder Curvy unterstreichen diese Abgrenzung.

Vielfalt sollte kein Sonderfall sein, sondern selbstverständlich.

Eine Kleidergröße ist nur ein Richtwert

Eine Konfektionsgröße sagt nur begrenzt etwas über einen Körper aus. Proportionen, Körperbau und Passformen unterscheiden sich stark von Frau zu Frau. Außerdem sind Größen nicht genormt, da sie je nach Marke unterschiedlich ausfallen.

Im Laufe der Zeit hat sich der Körper verändert. Durch gesellschaftliche Realitäten und andere Lebensgewohnheiten müssen auch neue Standards geschaffen werden, damit sich jede Frau rundum wohlfühlt.

Sichtbarkeit entscheidet über Auswahl

Große Größen sind im stationären Handel oft weniger präsent als im Onlinebereich. Das führt dazu, dass die Auswahl vor Ort eingeschränkt ist und Anproben oder Vergleiche schwieriger werden.

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist zudem, dass größere Größen automatisch teurer sein müssen. Manche Shops wenden das auch heute noch an, aber es gibt genügend Alternativen, bei denen alle Größen ein Preis haben.

Infrastrukturlücke und Wandel in der Sprache

In der öffentlichen Infrastruktur gibt es viele genormte Sitzbreiten, etwa in Flugzeugen, Zügen, im Kino oder in Stadien. Diese sind größtenteils nicht an die veränderten Körperformen angepasst, sondern seit vielen Jahren gleich.

Dafür ist im Sprachgebrauch ein deutlicher Wandel hin zu mehr neutralen sowie positiven Begriffen wahrnehmbar.

Mode sollte sich den Frauen anpassen – nicht umgekehrt

Kleidergrößen sind Orientierung, aber keine Grenze. Sie sollen helfen, nicht einschränken.

Ulla Popken steht für Mode, die Vielfalt ernst nimmt – und für ein Sortiment, das sich an realen Körpern orientiert, nicht an idealisierten Normen.

Marktbetrachtung Damenmode · Ulla Popken · Datenstand 08/2026